Meine Arbeit ist meine Leidenschaft

Meine Arbeit ist meine Leidenschaft

 

Ich gebe zu, dass sich meine Leidenschaft zum Beruf nicht schon in den Kindheitstagen gezeigt hat, wie man es sich vielleicht romantisch vorstellt. Ich habe weniger mit Puppen und schminken verbracht und bin erst über Umwege zur Kosmetik gelangt. Das Interesse an einem ordentlichen Aussehen war zwar schon immer da, hatte aber erst viel später mehr Aufmerksamkeit erhalten. Ich weiß noch ganz genau als ich 12 Jahre alt war und meine Tante mir einen weißen Stift geschenkt hat. Sie meinte, damit kann man die Nagelspitzen schön weiß machen. Ich fragte mich zu erst, wozu?? Ich habe es einfach nicht begriffen, versucht diesen Holzstift als Kajal umzufunktionieren und es mir vergeblich an die Augen geschmiert. Das war zu dieser Zeit das Must-Have. Weißer Kajal, ohje ich denke gar nicht dran. 

Ich hatte diesen Stift sehr lange, obwohl ich den Sinn nicht verstanden habe. In diesem Alter waren meine Nagelränder von im Wald spielen eher dunkel. 

Ein paar Jahre später saß ich im Bus in die Schule, ich glaube das war die 8. Klasse im Gymnasium und eine wunderschöne Frau stand neben mir. Sie hatte neben einer ganz tollen natürlichen Ausstrahlung perfekt gemachte Nägel mit einem breiten weißen Streifen vorne am Nagelrand. Das dies French Nails sich nennt, wusste ich nicht, genauso wenig wie man das so toll hinmalt. Doch ich fand es einfach faszinierend. 

Später zuhause kam mir wieder mein weißer Holzstift meiner Tante in den Sinn und verstand das Produkt plötzlich. Ich begann mit der Pflege und Verschönerung meiner Hände und ließ mir einiges einfallen  wie ich selbst so zu schönen Nägel kommen könnte. Denn eine Behandlung konnte ich mir nicht leisten, außerdem waren meine Eltern dagegen, dass ich als 15 Jährige zur Kosmetik gehe um schöne French Nägel zu bekommen. Ich glaube ich habe es ihnen auch nie gesagt, sondern zeitnah mir einen Job gesucht und es mir einfach selbst bezahlt. Bevor ich allerdings das Geld zusammen hatte, habe ich mir die Nägel selbst lackiert. Ich kann mich noch an mein Tipex-Experiment erinnern. Ich habe mir allerlei Dinge überlegt und ausprobiert. Mit flüssigen Tipex zum Beispiel die Nagelspitzen angemalt, das ist in Sekunden getrocknet und dann mit Nagellack verssiegelt. Hat super funktioniert und für mich damals   auch gut ausgesehen. Ob ich diese Nägel damals stolz auf Instagram hochgeladen hätte, weiß ich nicht. Ich denke eher nicht. Umso mehr war ich stolz, als ich mein erstes eigenes Geld hatte und es meinen Nägeln bei einer lieben Nageltante(liebt gemeinter Begriff) sich es richtig gut gehen haben lassen. Ich habe mich trotz den Schmerzen immer wahnsinnig gefreut, wenn ich mir einen Termin leisten konnte.  

Du fragst dich, warum Schmerzen? Dann hast du noch nie richtige Gelnägel erhalten. Wie Hammerschläge auf das Nagelbett, so fühlt es sich an und noch Stunden nach der Behandlung haben sich die Fingerkuppen wahnsinnig empfindlich angefühlt. 

Und hier war die Geburtsstunde meiner Leidenschaft. Ich fing an so vieles in der Welt der Kosmetik kennenzulernen. Reiste umher, hab mir viele verschiedenen Techniken, Anwendungen, Produkte und Ratgeber von Kosmetik angeschaut, sie für mich persönlich bewertet und an allen Stellen hinterleuchtet. Ob  es die Inhaltsstoffe in Produkten waren oder die Wirkungsweise von Behandlungen, ich muss immer wissen warum macht es das, was es sagt. 

Bei den Gelnägel habe ich nie verstanden, warum es so weh tut. Als ich mich jedoch mit Materialkunde und der Physik hinter der Gelmodellage beschäftigt habe, war mir klar warum. (Für alle die es interessiert, das Härten des Kunststoffes auf dem Nagel ergibt eine Reibungsenergie die aufgrund eines physikalischen Vorgangs basiert, nicht schädlich doch manche empfinden es als unangenehm.)

Ich bin dem Trend der  perfekten French Maniküre noch einige Zeit gefolgt und alles an Dekomöglichkeiten mitgenommen und irgendwann kam der Gedanke an mich: Steffi, bevor du jeden Monat Geld für eine Behandlung ausgibst, mach  es doch selbst.